Litzelstetten-Mitte: Applaus für Stadtplanung

Präsentation des Auslobungstextes für den Architektenwettbewerb

Mit großem Lob und Dank konnte Jochen Friedrichs vom Amt für Stadtplanung und Umwelt (ASU) der Stadt Konstanz nach einer überaus zustimmenden und konstruktiven Debatte über seine Präsentation des Auslobungstextes für den Architektenwettbewerb zu Litzelstetten-Mitte die Grundschule verlassen. Dort hatte am 26. Februar 2013 eine Informationsveranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger, aber auch für den Ortschaftsrat stattgefunden, auf welcher rund 50 Zuhörer wissen wollten, was sich nach dem Workshop am 1. Dezember 2012 im katholischen Gemeindehaus getan hatte – und wie es nun weitergeht.

 Ortsvorsteher Heribert Baumann begrüßte zudem auch den Moderator des Bürgerbeteiligungsprozesses, Wolfgang Himmel, mit Assistentin Catherin Krukenmeyer; Friedrichs Kollegin Renate Gauss vom ASU war kurzfristig krank geworden. All Ihnen dankte Baumann ebenso wie der „exzellenten Arbeit“ der Spurgruppe, die den gesamten Prozess begleitet und mitgestaltet hatte. Sie war aus Bürgern Litzelstettens zusammengesetzt (Wolfgang Flick, Regina Wesner, Katja Romer, Regina Armbruster, Bernfried Treude, Brigitte Wind, Dennis Riehle), denen auch Himmel eine konstruktive Zusammenarbeit bescheinigte und ihr Engagement würdigte. Baumann wiederum zeigte sich gespannt nach den vielen Ideen, die aus der Bevölkerung kamen – er selbst fühle sich im Augenblick wie jeder andere Einwohner neugierig auf das, was die Stadtplaner aus den Anregungen der Litzelstetter gemacht hätten.

 Im Ablauf des Abends schilderte Wolfgang Himmel zunächst, dass der Bürgerbeteiligungsprozess bereits früh begonnen hatte: Viele erinnerten sich noch an die Studierenden aus Karlsruhe und Konstanz, die ihre Pläne und Visionen für eine Neugestaltung der Litzelstetter Ortsmitte präsentiert hatten, ehe sich der Ortschaftsrat im Januar 2012 auf einer Klausur damit befasste. Die Lenkungsgruppe, unter anderem besetzt mit Baubürgermeister Werner und dem Eigentümer eines Großteils des neu zu erschließenden Grundstücks an der Martin-Schleyer-Straße, WOBAK, hatte die Spurgruppe letztlich beauftragt, den Partizipationsprozess in Litzelstetten zu gestalten. Daraus hatte sich der Bürgerworkshop im Dezember vergangenen Jahres ergeben, zu dem heute nochmals die Ergebnisse zusammengefasst dargelegt wurden.

 Himmel betonte, dass der Bürgerbeteiligungsprozess eng in die politischen Abläufe eingebettet sei. Der Ortschaftsrat werde sich voraussichtlich schon im März mit der endgültigen Version des Auslobungstextes befassen, der noch als Rohentwurf zur weiteren Bearbeitung vorliege. Darin seien wesentliche Aspekte der Zusammenfassung des Bürgerworkshops eingeflossen, die Wolfgang Flick in einer übersichtlichen Grafik sortiert hatte. Die Stadtplaner haben fünf wesentliche Kategorien erarbeitet, zu denen sich die Litzelstetter geäußert hatten: Verkehr, Nutzung, Wohnen, Gestaltung und Strukturelles. In seinen Augen hätten die Bürger in vielen Punkten übereinstimmende Wünsche dargelegt: Neben der Schaffung von Parkmöglichkeiten sei es die Überwindung des trennenden Charakters sowie eine Verkehrsberuhigung der Martin-Schleyer-Straße. Im neuen Bau sei zudem eine öffentliche Toilette, möglicherwiese eine Touristinformation sowie Gewerbe angeregt worden. Ob als Café, Marktplatz oder mit Praxen besetzt, dies sei ebenso in den Ideen benannt worden wie möglicherweise ein öffentlicher Treffpunkt für Feste oder ein Platz für einen Brunnen. Große Übereinkunft gab es im Hinblick auf die Nutzung des neuen Gebäudes: Nicht nur die WOBAK, sondern auch die Litzelstetter wünschen sich ein generationenübergreifendes Wohnen, das auch Raum für Begegnung schafft und gleichzeitig im Zuge des dezentralen Pflegekonzeptes der Stadt Konstanz einige Pflegebetten aufweisen könnte. Da sich das Areal in die Dorfmitte zwischen katholischem Gemeindehaus und Milchhäusle einfügt, sollte auch in der Gestaltung ein Einpassen in die Umgebung berücksichtigt werden. Hierbei legten die Litzelstetter besonderen Wert auf die Erhaltung des ländlichen Charakters.

 Beim Verfassen des Textes sei den Stadtplanern laut Friedrichs deutlich geworden, dass die Aufgabe nicht allein dadurch erfüllt sein könne, das einzelne Grundstück für sich zu betrachten. Der Blick auf die gesamte Hauptstraße mache das Anliegen bewusst, das die Bürger zu vermitteln versucht hätten. Man habe deshalb auch den Arbeitstitel „Litzelstetten – ein zeitgenössisches Dorf“ gewählt, denn das Bild vom Dorf möchten die Litzelstetter nach Eindruck Friedrichs erhalten und festigen. Deshalb gehöre neben der Betrachtung der öffentlichen Flächen auch das ideelle Einbeziehen der halböffentlichen sowie privaten Wege und Plätze hinzu, die die Straße aufweiten könnten. Eine Vision sei es daher, ein „Handbuch für Litzelstetten“ zu erstellen, das nach dem Neubau auf bekanntem Grundstück auch künftig bei privaten und halböffentlichen Vorhaben Anregungen liefere, wie identitätsstiftende Baumaßnahmen oder Veränderungen, angefangen von Hecken oder Sitzbänken, für den Ort einheitlich gestaltet werden könnten.

 Der eigentliche Ausschreibungstext für die Architekten untergliedert sich nach Angaben Friedrichs in die allgemeinen Wettbewerbsbedingungen, die Bestandsaufnahme sowie die eigentliche Aufgabe. Wesentliche Merkmale seien die Anforderung nach Behindertengerechtigkeit, nach einer Tiefgarage, einem Gemeinschaftsraum, dem Wohnbereich mit 2- bis 4-Zimmer-Wohnungen, Nachhaltigkeit („Effizienzhaus 70“) sowie das Zusammenleben von jungen Familien bis zu älteren Menschen. Der als offener, zweiphasiger und interdisziplinärer Wettbewerb ablaufende Prozess ermöglicht, keine Zugangsbeschränkungen für die bewerbenden Architekten festlegen zu müssen, im ersten Teil werden grundsätzliche Lösungsansätze gesucht. Das Preisgericht wählt die Teilnehmer für die zweite Phase aus, ein aufwändiges Bewerber- und Auswahlverfahren bleibt damit erspart. Alle Interessenten würden berücksichtigt und die Einsendungen seien speziell für den vorliegenden Ort erarbeitet.

 In der anschließenden Diskussion bescheinigte Ortschaftsrat Martin Romer, dass das ASU genau das aufgenommen habe, was man sich seit Jahren in Litzelstetten ersehne. Auch aus der Spurgruppe kam viel Anerkennung: Wolfgang Flick lobte, dass die Anforderung geschaffen worden sei, wonach die Bebauung die Identität des Ortes widerspiegeln muss. Der Leitbild-Gedanke sei vorbildlich. Friedrichs betonte, es sei in solchen Ausschreibungen immer schwierig, Wünsche zu formulieren, ohne sie konkret zu benennen. Ortsvorsteher Baumann schloss die Veranstaltung mit großen Zufriedenheit: Er bemerkte, dass sich gezeigt habe, wonach Litzelstetten fähig für Bürgerbeteiligungsprozesse sei. Dies sei beispielhaft auch für die Zukunft. Voraussichtlich bis nach den Sommerferien wird der gesamte Prozess abgeschlossen sein, mit einem Baubeginn kann wohl auch aufgrund der zu beantragenden Fördermittel für sozialen Wohnraum frühestens 2014 gerechnet werden. Für den gewerblichen Teil müssten noch solvente Interessenten gefunden werden; hier sei die Bevölkerung zu Hinweisen aufgerufen. Alle öffentlichen Informationen können auch auf diesem Blog eingesehen und sollen auch im Rathaus zur Auslage hinterlegt werden.

Text: Dennis Riehle, Mitglied der Spurgruppe Litzelstetten

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