Bürgerworkshop zu Litzelstettens Ortsmitte: Konstruktiv und voller Aufbruchsstimmung

Litzelstetter bei der Arbeit

Bild: C. Krukenmeyer, translake GmbH. Eine Arbeitsgruppe.

Gut 40 Bürgerinnen und Bürger haben sich am 01. Dezember 2012 im Katholischen Gemeindehaus am Kornblumenweg zum Work- shop über die Weiterentwicklung der Litzelstetter Ortsmitte Ge- danken gemacht. Im Vorfeld hatte eine Spurgruppe aus sieben Bürgern, die nach einem Kriterienkatalog ausgewählt worden waren, in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtplanung und Umwelt und unter Moderation von Wolfgang Himmel („translake“ GmbH) den Tag vorbereitet. Plakate, Flyer und Logos machten auf die Veranstaltung aufmerksam.

 Zu den Gästen zählten unter anderem auch Baubürgermeister Kurt Werner und der Vertreter der WOBAK-Geschäftsführung, Joachim Lehmann. In der Begrüßung verwies Ortsvorsteher Heribert Baumann bildhaft auf einen Hefezopf: „Als Bürger sind Sie die Hefe, die den Teig nun zum Gehen bringen muss. Danach werden die beiden Interessenstränge der WOBAK beziehungsweise der Stadtverwaltung und der Bevölkerung zu einem hoffentlich für alle einvernehmlichen Knoten zusammengebunden.“ Baumann zeigte sich dankbar gegenüber der Wohnbaugesellschaft, die sich auf diese Form des Beteiligungsprozesses im Rahmen des durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten Teilprojekts der „ZukunftsWerkStadt“ eingelassen habe.

 In seinem Grußwort informierte Bürgermeister Werner die Teilnehmer, dass das Baudezernat ihre Anliegen und Bedürfnisse sehr ernst nimmt. „Der Gemeinderat hat bereits einem Architektenwettbewerb zugestimmt. Der Wettbewerb wird einen konkreten Realisierungsteil für das zu überplanende Grundstück und darüber hinaus einen Ideenteil für die umliegenden öffentlichen Räume enthalten, der längerfristige konzeptionelle Gestaltungsvorschläge umfasst.

 Für die Spurgruppe legte Mitglied Wolfgang Flick dar, dass man nun den dritten Meilenstein erreicht habe: „Heute beginnt die Realisierung dessen, was vor über zwei Jahren mit der Information über das frei werdende Areal an der Martin-Schleyer-Straße als Ideenspiel begonnen hatte. Die Vorschläge der Studenten aus Karlsruhe und Konstanz hatten dann erste konkrete Visionen geschaffen. Nun stehen wir davor, uns über die Umsetzung der vielen Ansprüche Gedanken zu machen“. Flick dankte im Namen der Bürgerinnen und Bürger für die Gelegenheit der Partizipation: „Wir sind stolz darauf, mitreden zu dürfen“.

 Joachim Lehmann betonte, dass die WOBAK als städtische Wohnbaugesellschaft zwar wirtschaftliche Interessen verfolge, in all ihren Projekten aber die Bürger als Partner brauche. Stadtplaner Jochen Friedrichs erläuterte, dass das Ziel sei, die Anliegen der Menschen so in den Auslobungstext für den Wettbewerb einfließen zu lassen, dass die Anforderungen deutlich würden, gleichzeitig aber nicht die planerische Vielfalt und Gestaltung der Architekten beschnitten würden.

 In mehreren Arbeitsphasen kamen die die Bürger in unterschiedlichen Gruppengrößen zusammen, um sich mit den von der Spurgruppe entwickelten Fragestellungen auseinanderzusetzen. Auf großen Papieren und über Luftbildern von Litzelstetten sitzend, beschäftigten sie sich unter anderem damit, was ihnen an ihrem Teilort wichtig sei und womit sie sich identifizieren könnten. Konzentriert und mit viel Diskussionsbereitschaft fielen Schlagworte wie der „Blick zur Mainau“, die „Nähe zum See“, die „gute Nahversorgung“ oder die „natürlichen Ressourcen“, die das Dorf und seine Umgebung böten. Zahlreiche Neubürger waren ebenso anwesend wie Ureinwohner, von Familienvätern bis hin zu Senioren waren unterschiedlichste Gesellschaftskreise vertreten. In kleineren Pausen kamen Verwaltung und Bürger, Zugezogene und „alte Hasen“ des Ortes in ergiebige Gespräche, die die ersten Ergebnisse reflektierten.

Im weiteren Verlauf wurde der Fokus auf die Ortsmitte konzentriert, die nach Definition vom Gemeindehaus beginnend bis zum „WOBAK-Grundstück“ an der Hauptstraße, über den Komturweg bis zum Milchhäusle und über die Großherzog-Friedrich-Straße bis ans Rathaus gesehen wurde. Im Blick auf unterschiedlichen Bedarf wurden unter anderem Wünsche geäußert, die für Touristen, Fußgänger, Familien, Senioren, Autofahrer bewegungseingeschränkte Personen oder Kunden von besonderer Bedeutung sein dürften. Aus diesen Rollen heraus kamen mehrere Punkte zur Sprache, die sich mit den Vorstellungen der WOBAK zu decken scheinen: Wohnraum für unterschiedliche Altersgruppen, architektonischer Gleichklang mit umliegenden Gebäuden sowie die Bereitschaft der Wohnbaugesellschaft, kleine Teile des Grundstücks an die Stadt zu verkaufen, falls diese für öffentliche Flächen genutzt werden sollten.

 Wesentlich war auch der Gedanke, Gemeindehaus, den Neubau, die Kirche und das Milchhäusle planerisch als Ensemble wiederzuerkennen. Ob dies durch verbindenden Blumenschmuck, Bächlein oder gestalterische Übereinstimmungen geschehen kann, liegt in der Hand der Architekten. Ebenso sahen viele den Bedarf einer Tiefgarage unter dem Gelände, die Notwendigkeit einer Verkehrsberuhigung am Ort sowie Freiräume zwischen Straße und Bebauung.

 Geprägt war die Debatte auch von der Frage, ob sich Litzelstetten eher als Vorort der Stadt oder als eigenes Dorf ansehe. Immerhin würden die eigenständige Infrastruktur und die Identität, die die Bewohner mit ihrem Ort verbinden, Rückschlüsse auf den Charakter des gewünschten dörflichen Zentrums zulassen. Hieraus wurde deshalb auch das Anliegen einer nach außen sichtbaren und erkenntlichen Dorfmitte geäußert, die Platz für Begegnung, zum Innehalten, zum Informieren und Wohnen bereitstellen sollte. Daher sollten auch Gewerbeeinheiten im Erdgeschoss nicht ausgeschlossen werden, die Fußläufigkeit entlang der Martin-Schleyer-Straße im besagten Bereich wurde betont und ein möglicher Informationspunkt für Touristen samt Kiosk immer wieder ins Gespräch gebracht.

 Sowohl WOBAK als auch Veranstalter zeigten sich letztlich äußerst zufrieden, der Tag habe sich gelohnt. „Ich bin sehr glücklich, wenn ich nach diesem gelungenen Workshop nach Hause gehe“, sagte Ortsvorsteher Heribert Baumann zum Abschluss. Der Tag habe gezeigt, dass man in Litzelstetten bereit und fähig sei, auch künftig weitere Projekte mit den Bürgern zusammen angehen zu können. Statt Utopien habe es viele neue Anregungen gegeben, die Jochen Friedrichs im Ausschreibungstext formulieren wird. Nach dessen Fertigstellung erfolgt nochmals eine Rückkoppelung in die Bürgerschaft: Bevor das Papier in die Gremien wie Ortschaft und Gemeinderat gehen wird, kann die Bevölkerung nach einer Präsentation der Auslobung nochmals Rückmeldung in einer Abendveranstaltung geben. Dort wird auch zur Sprache kommen, was von den vielen geäußerten Ideen, die nicht unmittelbar die Ortsmitte und das öffentliche Planen betreffen, von der Ortsverwaltung, den Bürgerinitiativen und im privaten Bereich umgesetzt werden kann. In diesem Sinne gehe von diesem Workshop auch eine „Aufbruchsstimmung“ aus, waren sich die Schlussredner einig.

 Dass der Workshop von viel gegenseitigem Respekt und Anerkennung geprägt war, zeigte auch das herzliche Ende, an dem Katja Romer aus der Spurgruppe zu ihrem Geburtstag besungen wurde. Ein gemeinschaftlicher Ausklang bei Kaffee und Sekt nahm allen Beteiligten anfängliche Unsicherheiten über dieses „Neuland“ in Sachen Mitsprache. Man hatte zu einem bestmöglichen Zusammenkommen gefunden, verlautete im Nachgang.

 Dennis Riehle für die Spurgruppe Litzelstetten

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