Klimafreundlich ernähren- ein Erfahrungsbericht der “2000-Watt-Familien”

Gemüse und Obst frisch vom Feld

Gemüse und Obst frisch vom Feld

Für den Themenbereich Ernährung erhielten die 2000-Watt-Familien in einem Vortrag von Elisabeth Auer vom Amt für Landwirtschaft Stockach praktische Tipps zur Lebensmittellagerung. Im Anschluss an den Vortrag bekamen die Teilnehmer eine Reichenauer Gemüsekiste mit saisonalem Gemüse zum Testen.

 

Die Lebensmittel des täglichen Bedarfs sollten bevorzugt aus der Region stammen und saisongerecht geerntet sein, um hohe Lager-, Transport- und Anbaukosten zu vermeiden und damit das Klima zu schützen. So wie das Gemüse aus der Reichenauer Gemüsekiste. Dagmar Hendriks war von der Frische des saisonalen Gemüses so begeistert, dass sie sich gleich die Gemüsekiste als Abo nach Hause bestellt hat.

Reichenauer Gemüsekiste

Reichenauer Gemüsekiste

Darija Grecuccio geht gerne auf dem Markt einkaufen und betont, dass entgegen den Erwartungen saisonales Gemüse vom Markt häufig sogar erstaunlich günstig sei. Man schont also sowohl den Geldbeutel und als auch das Klima. Dietmar Messmer zählt weitere Vorteile vom Einkauf auf dem Markt auf. Das Gemüse könne man sich einzeln zusammenstellen lassen und muss nicht -wie im Discounter üblich- Großpackungen erwerben, von denen dann die Hälfte übrig bleibt und weggeworfen werden muss. Auch könne man dort Kartoffeln mit Erdkruste bekommen, die so geschützt länger lagerfähig sind. Christine Renner kauft ebenso häufiger auf dem Markt ein. Dies hat sie sich als Vorsatz im Rahmen des Projektes gesetzt. Sie fügt an, dass man sinnvolle Zubereitungstipps bekäme und sehr freundlich bedient werde. Insgesamt sei das Einkaufen wesentlich entspannter, da es die Leute nicht so eilig hätten. Auch die Qualität stimmt, insbesondere das Fleisch vom Markt sei sehr hochwertig. Zudem bekomme man weniger Verpackungsmaterial. Letzteres fällt besonders dann auf, wenn der Müll seltener rausgetragen werden muss. Klimaschutz kann also durchaus angenehm sein und mehr Lebensqualität statt Verzicht bedeuten.

Schwarzwurzeln in Butter gebraten

Schwarzwurzeln in Butter gebraten (Bild D. Messmer)

Zubereitungstipps sind umso wichtiger bei nicht so gängigem Gemüse wie der Schwarzwurzel. Die einen waschen und schälen diese vor dem Kochen, andere kochen diese zuerst und „zutzeln“ die Wurzeln dann wie Weißwürste. In beiden Fällen hinterlässt die Schwarzwurzel ein wenig Dreck und eine klebrige Flüssigkeit, aber der gute Geschmack des „Spargels für den armen Mann“, wie die Schwarzwurzel auch genannt wird, macht dies wieder wett.

Dazu ein Rezeptvorschlag von Dietmar Messmer: Feine Schwarzwurzeln, nach dem Kochen in Butter geschwenkt, mit schneefrischem Feldsalat und Brascher Salat-Sauce (Reichenau Waldsiedlung). Jakob Schröter und Freundin Julia Arroyave haben die Schwarzwurzeln mit Kartoffeln und einer Senf-Zitronen-Sahne-Sauce (Zwiebel, Weißwein, Gemüsebrühe, Sahne, Zitrone und Senf) zubereitet. Die beiden haben das Schälen der Schwarzwurzeln einem Freund überlassen und waren überrascht, dass seine Hände nicht schwarz wurden von der erdigen Schale, dafür klebten sie allerdings umso mehr. Frédérique Albrecht hat den Rosenkohl aus der Gemüsekiste für eine Kartoffel-Feta-Rosenkohl Pfanne verwendet. Bei Christine Renner wurde der Rosenkohl bissfest gekocht und eine Soße aus Creme fraiche, Gemüsebrühe, Schuss Weißwein, Salz, Pfeffer angerührt und zum Schluss noch geriebenen Parmesan darüber geben und mit Glattpetersilie verziert. Die Karotten und den Sellerie haben Christine und ihr Freund Oliver lieber roh gegessen- beides war so frisch, dass insbesondere die Karotten gleich verzehrt wurden. Für diejenigen, die Sellerie gerne in gekochtem Zustand essen, hat Christine Renner einen guten Tipp: die Sellerie in der Pfanne erst salzen, wenn die Stücke schön knusprig und gebräunt sind, weil sie sonst Wasser ziehen.

Nicht nur die Herkunft und Qualität unserer Nahrung ist entscheidend, sondern auch Kenntnisse zur Lagerung, damit Lebensmittel nicht unnötig im Müll landen. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht, wenn kleine Tipps beherzigt werden, so Elisabeth Auer. Pro Bundesbürger werden über 80 kg an Lebensmittel weggeworfen, ganz zu schweigen von der Ausschussware, also Lebensmittel, die bei der Ernte, Verarbeitung und Transport verloren gehen oder aufgrund von Normen nicht verkaufsfähig sind. Diese Tatsache war den meisten Teilnehmern nicht bekannt. Für Julia Arroyave, die ursprünglich aus Kolumbien kommt, ist es unverständlich, wenn Lebensmittel wegen ihres Aussehens aussortiert und weggeworfen werden. Dort wird alles gegessen, egal ob z.B. die Banane schon etwas dunkel ist. Oftmals sieht das Obst bereits beim Kauf „nicht so schön“ aus. Jakob Schröter berichtet von seiner Kolumbienreise, dass es z.B. unmöglich war, Orangen zu kaufen, die so aussahen wie die Orangen, die wir hier kennen. Alle hatten viele graue Flecken.

Egal wie schön das Obst und Gemüse aussieht, durch richtige Lagerung kann man länger Freude daran haben.

2000-Watt-Familien beim Vortrag zur Lebensmittellagerung von Elisabeth Auer

2000-Watt-Familien beim Vortrag zur Lebensmittellagerung von Elisabeth Auer

Dem Verderb kann man durch kleine Tricks oft vorbeugen. Alleine schon das Beherzigen der unterschiedlichen Temperaturzonen im Kühlschrank- das Fleisch mag es eher kühler und fühlt sich daher in dem Fach über dem Gemüse am wohlsten- und die richtige Verpackung – am besten Gemüse in verschließbaren Boxen zur Vermeidung der Austrocknung aufbewahren- lässt Lebensmittel länger frisch bleiben. Verständlich und praktizierbar findet Dietmar Messmer die Tipps von Frau Auer, ebenso Christine Renner, die sich über so viele neue anwendungsorientierte Informationen freut. Wer keine Aufbewahrungsbox hat, der kann auf eine Plastiktüte mit Löchern zurückgreifen.

Frédérique Albrecht hat noch einen Tipp parat. Sie legt neben das Gemüse in der Box Zucker, welcher die Feuchtigkeit aufnimmt, damit das Gemüse nicht in seinem eigenen Saft liegt. Gleiches Prinzip bewirken die Rillen in Aufbewahrungsboxen, wie Judith Wehr weiß. Wenn im Gemüsefach mal kein Platz mehr ist, stellt Dietmar Messmer das Gemüse einfach gut abgedeckt auf den Balkon. Auch er hat sich schon öfters über verdorbene Karotten geärgert, die in der geöffneten Plastikverpackung nur wenige Tage frisch blieben. Aus der Kindheit kennt der ein oder noch den Keller als Lagerort für Kartoffeln und Äpfel- so auch Frédérique Albrecht. Hier findet man optimale Lagerbedingungen vor. Leider fehlt heute häufig der Zugang zu so einem Keller als Lagerungsort. Dass man auch aus Kühlschrankresten leckeres Zaubern kann, sieht man an den kreativen Wortschöpfungen für die Resteküche: Awaruli oder nach Karl Albrechts Formulierung „Rumfortsoße“. Petra Ebenhoch hat einen guten Link, um an leckere „Resterezepte“ insbesondere für Gemüse der Saison zu gelangen: http://www.konsumentinnen.umweltberatung.at/start.asp?b=3102

Wer vorrausschauend plant, z.B. mit einem Wochenspeiseplan oder wer mit Einkaufszettel einkaufen geht, kann so auch unnötige Berge an Essensresten vermeiden.

Klimafreundlich einkaufen und ernähren

Klimafreundlich einkaufen und ernähren (Bild D. Messmer)

Nachhaltige, klimafreundliche Ernährung macht Spaß und schafft einen Mehrwert. Wer saisongerecht auf dem Markt einkauft, spart Geld und unterstützt den Landwirt aus der Region, schont das Klima, schafft Abwechslung auf dem Speiseplan durch das Kennenlernen neuer Rezepte, und wer dazu noch ein paar Tipps zur Lagerung beherzigt, hat länger Freude an frischen Lebensmitteln. Das klingt doch nach viel Lebensqualität!

 

 

 

 

 

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